Aktiv bleiben durch ehrenamtliches Engagement

Prim. Dr. Berthold Kepplinger, Leopoldine Kalteis, Edith Habsburg-Lothringen, Univ. Prof. DI Dr. Halia Baran, Josef Schrittwieser, Anna Haiden, Angela Wippel, LR Mag. Barbara Schwarz, Elfi Monihart, Prof. Norbert Gollinger

Fachtagung: „Aktives Altern – eine Zukunftsperspektive für alle Generationen“

2011 war ja weltweit das Jahr des Ehrenamtes und wir wurden gefüttert mit Vorträgen, mit Zahlen, mit Studien, mit Ehrungen von Ehrenamtlichen usw usw. Sicher erinnern Sie sich selber noch daran. Keine Frage, es ist wichtig, aktuelle Themen intensiv und über einen längeren Zeitraum zu behandeln und ins Bewusstsein zu rufen.

Heute möchte ich einfach die Frage an Sie alle stellen und ich bitte Sie, kurz in sich hinein zu horchen: „Sind Sie in irgendeiner Weise ehrenamtlich tätig? Wie geht’s Ihnen in Ihrer persönlichen Alterssituation mit dem Ehrenamt?“ Haben Sie wirklich das Gefühl durch ehrenamtliche Tätigkeiten  frischer, beweglicher zu sein, sich etwa sogar jünger zu fühlen?

Mein Mann und ich durften vor 2 Wochen an der Pilgerreise des Malteser Ordens nach Rom teilnehmen. Von den 400 Pilgern waren so um die 70 Pilger im Rollstuhl, weitere, ungefähr 25, mit anderen Beeinträchtigungen, die Betreuung gebraucht haben. Sie wurden alle die ganze Woche rund um die Uhr vom Malteser Hilfsdienst, junge Mädchen und Burschen, und Erwachsene  aller Altersstufen, ehrenamtlich betreut. Ich kann Ihnen sagen, das war EHRENAMT in seiner allerschönsten Form!

An dieser Stelle möchte ich Cecily Corti zitieren, die in den Nachrichten „Mittendrin“  der Vinzi Rast – Corti Haus, in Wien schreibt:  (und das passt auch auf die Situation in Rom)
Ich zitiere:
Unser aller Engagement ist ehrenamtlich. Ich nenne es lieber freiwillig. Denn die „Ehre“ die damit verbunden sein mag, erklärt nicht die Freude, die wir alle bei unserer Arbeit empfinden. Die Freiwilligkeit beruht auf persönlicher Motivation und es ist sinnvoll, sie zu reflektieren: Bin ich offen genug, mich unerwarteten Situationen zu stellen? Halte ich die Ohnmacht und Ratlosigkeit aus? Bin ich bereit Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen? Liebe ich die Menschen? (Soweit das Zitat von Cecily Corti.)

Beim ea Engagement in jeder Altersphase  habe ich mich mit diesen Fragen auseinander zu setzen. Ist das noch das Richtige für mich? Bin ich mit Freude und Überzeugung dabei? Was bringt das mir persönlich? Wie gehe ich mit Rückschlägen um? Bin ich mit einem guten Team unterwegs? Steht Veränderung an? Erkenne ich Grenzen?

Was heißt das auch im Alter: wo liegen jetzt meine Möglichkeiten und Charismen? Was kann ich aus meinem bisherigen Leben einbringen? Kann ich diese Aufgabe mit Familie, mit der Pflege meines Mannes, mit der Betreuung der Enkelkinder unter einen Hut bringen?

Auch bei der Suche nach neuen MitarbeiterInnen gilt es zu schauen: wo bist Du gut, was machst Du gerne, was sind deine Charismen. Also nicht fragen: „Was brauche ich von dir?“ sondern: „was kannst du?“ 
Freiwilliges Engagement muss sinnstiftend und auch innerlich bereichernd sein und Freude machen. Es verbindet, knüpft zwischenmenschliche Kontakte – auch über Generationen.
Und gerade für ältere Menschen ist es die Chance, ihre Lebenserfahrung und auch ihre durch Jahre erworbenen Kompetenzen verschiedenster Art weiterzugeben, in den Dienst der Gesellschaft zu stellen: im kirchlichen, sozialen und kulturellen Bereich, in Institutionen und Vereinen aber auch Einzelinitiativen.

In unserem Arbeitskreis Seniorenpastoral versuchen wir immer den ganzen Menschen im Blick zu haben: Leib Geist und Seele. Dabei geht es um die Lebensgestaltung im Alter, um Glaube und Spiritualität, die Grenzen und Veränderungen im Alter, um das Miteinander der Generationen.
Den Blick in unserem ea Engagement müssen auch auf die Menschen richten, die nicht mehr so mobil sind, die durch Krankheit und Behinderung einfach nicht mehr von zu Hause weg können oder ganz in Einrichtungen für Senioren leben. Auch die brauchen Zuwendung, die brauchen unsere Zeit.

Wir wissen alle nur zu gut, dass ohne dieses freiwillige solidarische Engagement das Leben außerhalb der Wirtschaft in unserem Land beinahe still stehen würde. Unser Land wäre buchstäblich ARM.
Teilen wir den reichen Schatz unserer Zeit und unserer Talente! Lassen wir uns ein auf diesen guten Weg von GEBEN und NEHMEN!