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Heimat: Besetzt ... entgrenzt

I Am... I Said singt der amerikanische Sänger, Komponist und Liedertexter Neil Diamond und trifft das Thema der Studientagung an 18. November:
„Los Angeles ist okay, die meiste Zeit über scheint die Sonne, und das Lebensgefühl ist ziemlich entspannt. Hier wachsen Palmen, und die Mietpreise sind günstig. Aber weißt du was? Ich denke trotzdem permanent darüber nach, wieder wegzugehen. Gut, ich bin in New York City geboren und aufgewachsen, aber heute komme ich mir zwischen der Ost- und der Westküste verloren vor: L.A. ist okay, aber keine Heimat - New York ist zwar Heimat, aber nicht mehr meine.
"Ich bin", sagte ich - zu niemandem.
Keiner, der mir zuhört, nicht einmal der Stuhl.
"Ich bin!", schrie ich. Ich fühle mich verloren und weiß nicht mal, warum.“
Ich bin im Tal der Kleinen Ysper aufgewachsen. Mischwälder mit Buchen und Eichen, Fichten, Tannen und Föhren mit viel Pilzwuchs und runden Granitblöcken prägten die Landschaft.  Das Wasser des Baches springt über runde Steine; Forellen, Krebse, Feuersalamander und Ringelnattern waren die Erfahrungen unserer Kindheit. Wo immer ich auf der Welt eine ähnliche Gegend finde, fühle ich mich zuhause.

>> Download Einladung Studientag "Heimat. besetzt ... entgrenzt"

"Die Heimatlosigkeit ist meine Heimat", sagt Daniel Spoerri und unterstreicht den Satz mit einer weitausholenden Geste. Die Entwurzelung, die dem Jungen widerfahren ist, wurde zu seinem größten Kapital. In Jasch (Rumänien), wo er als Daniel Feinstein geboren wurde, haben die Faschisten damals 13.000 Juden umgebracht. Auch seinen jüdischen Vater, der 1941 von den rumänischen Faschisten abgeholt und ermordet wurde. Daniel hat großes Glück, er entgeht dem Tod, obwohl er schon älter als zehn Jahre war. Die Mutter, die aus der Schweiz stammte, schaffte die Ausreise mit all ihren Kindern zurück in die alte Heimat.
 "Mein Unbeständigkeit, meine Sehnsucht und zugleich meine Unfähigkeit, Wurzeln zu schlagen, waren meine Antriebskräfte." Daniel Spoerri war kein Rumäne, kein Jude, kein Deutscher, aber auch kein Schweizer. Er löschte zwar seine Erinnerungen an Rumänien und an die Sprache des Landes, in dem er geboren wurde. Aber die Schweiz wurde ihm dennoch nicht zur Heimat. Die Orientierungslosigkeit des jungen Spoerri hatte ein Ende, als er seine Passion für das Tanzen entdeckt. Ganz ist es dem Künstler übrigens nicht gelungen, Rumänien und Galati, das an der Donau liegt, zu verdrängen. Vor langer Zeit in Klosterneuburg - Spoerri ging mit Arnulf Rainer am Fluss spazieren - hatte er plötzlich den Geruch des Wassers in der Nase: "Der Geruch war wie der in meiner Kindheit damals in Galati."
Heimat erleben gilt als eine von 3 Urwünschen des Menschen(Schmidtchen, Zulehner). Der Mensch braucht einen Ort, an dem er sich niederlassen kann, den er buchstäblich „besitzt“. Dieser Wunsch geht einher mit dem Bedürfnis nach Wohnen. Das Land ist uns wichtig, oftmals auch die letzte Ruhestätte, das Grab. Jesus ging voran, uns „Fremdlingen“ im Himmel eine letzte Ruhestätte zu bereiten.
 Jesus selber spricht die letzte Heimatlosigkeit des Christen in diesem Leben an, wenn er sagt: „der Menschensohn aber hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann.“ (Mt 8, 20)
Nicht nur bei Wahlen, dann aber ganz besonders kommt das Thema „Heimat“ verstärkt in die Medien. Diese tragen selber auch zu einem Revival bei, etwa durch die Sendungen „Guten Morgen Österreich“.
Häufig wird Heimat auch gegen Migration oder Aufnahme von Flüchtlingen ausgespielt. Genug Grund, dem Begriff auf den Grund zu gehen.
Der Studientag spricht wohl alle Bereiche Heimat an welche Erfahrungen verbinde ich selber damit; was ist der Heimatbegriff des Christen.. 
Walter Feninger, Vors. Stellvertreter