Seniorenpastoral
 
 

Engel - Die Boten Gottes

Segensfeiern 1. Oktober 2014

Der Engelkult erlebt derzeit eine Renaissance. Aus den Schaufenstern lachen sie uns entgegen,  die Engel und Engerl aus Glas, Keramik, etc. Engellektüre füllt die Regale vieler Buchläden. In der Esoterik haben die Engel Hochkonjunktur und sind von zentraler Bedeutung. Engelratgeber, Engelsbotschaften, Heilkraft der Engel, etc. versprechen Lebenshilfe.


Unsere Engelvorstellungen wurden maßgeblich von der bildenden Kunst beeinflusst. Von großen, majestätisch beflügelten Engel bis hin zu den putzigen Putten mit ihren Stummelflügel, oder den Engel-Ikonen der Ostkirche mit ihrer würdevollen Strahlkraft. Unsere Kirchenräume sind ohne sie kaum vorstellbar.
Kinofilme und TV-Serien erzählen von der „Stadt der Engel“, vom „ Engel auf Erden“ und vom „Engel über Berlin“.
Auch die Musik, sowohl die klassische als auch die zeitgenössische Unterhaltungs- und Popmusik, finden am Engel Gefallen.


Sind Engel noch zeitgemäß?
Wozu brauchen wir moderne Menschen Engel? Beantwortet nicht die Naturwissenschaft unsere Lebensfragen? Leben wir nicht in einer Zeit, in der fast alles machbar ist?
Aber gerade durch die immer größer werdende Abhängigkeit von Technik, Wirtschaft und Konsum wächst auch das Gefühl von Machtlosigkeit, Ausgeliefertsein und dem Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz. Der Glaube an einen machtvollen Gott, der uns mit Hilfe von himmlischen Boten liebend und barmherzig zur Seite steht, kann Hilfe  und zu einem vertrauensvollen Leben verhelfen.

Was sind Engel in der jüdisch-christlichen Tradition?
Wenn es um bedeutungsvolle Glaubensthemen geht, schauen wir Christen erst einmal in die Bibel. Dort werden Engel 288 Mal erwähnt.
Das Buch Hiob verweist auf die Existenz von Engeln schon vor der Schöpfung der Welt.
Das Wesen der Engel bleibt geheimnisvoll, nicht aber ihre Funktion. Das AT unterscheidet Engel, die sozusagen zum Hofstaat Gottes gehören und wie in Jakobs Traum, auf der Himmelsleiter auf- und absteigen (Gen 28).
Throne, Seraphim und Cherubim repräsentieren Gottes Macht. Ihre Darstellung als geflügelte Geistwesen wurde charakteristisch. (Gen 3).
Die Funktion als Bote Gottes steckt im Namen Engel - angelus (lat.) und mal’ak (hebr.).
Die Bibel spricht vom „Engel des Herrn“.
Der ausbrannte Elja erfährt durch einen Engel Zuspruch, Stärkung und Orientierung. (1Kön19,7.)
Die schwangere, flüchtende Hagar wird durch einen rettenden Engel ermuntert,  zu ihrer Herrin Sara zurückzukehren. (Gen 16)
Die Berufung Moses, der Gottes Volk in die Freiheit führen soll, geschieht durch die Engel-Begegnung im brennenden Dornbusch, die dann aber zu einer Gottesbegegnung  wird. (Ex 3)
Rafael wird für Tobias zum Begleiter, Mahner, Beschützer und Wegweiser.
Der Verkündigungsengel Gabriel bringt Maria die Botschaft ihrer besonderen Erwählung und dem alten, kinderlosen Paar, Zacharias und Elisabeth, verkündet er die Geburt eines Sohnes. (Lk 1,5ff)
Der Engel des Herrn überbringt den Hirten die Botschaft von der Geburt Christi und die Engelchöre loben Gott in der Höhe. (Lk 2,8-20)
Auch wenn die Bibel  mehrmals von jungen Männern in leuchtend weißen Gewändern  berichtet,  sagt das nichts über Alter und Geschlecht von Engel aus.
Engel helfen Josef in lebenswichtigen Situationen den richtigen Weg zu finden. (Mt 1,18-24; 2,13; 2,19-22) Engelsbegegnungen finden auch in Visionen und Träumen statt.
Nachdem Jesus der Versuchung wiederstand, wurde er von Engeln bedient (Mt 4,11) und in seiner Ölbergstunde  erschien ihm ein Engel und gab ihm Kraft (Lk 22,43)
Als Deuteengel künden und deuten sie die Auferstehung (Mt 28; Mk 16; Lk 24) und Himmel-fahrt (Apg 1)
Der Engel des Herrn verweist auf neue, unbekannte und ungewöhnliche Wege. (Apg 8,26ff), (Apg. 16, 9-10).
Dramatisch und mit großer Symbolkraft finden wir in der  Offenbarung die Aufgabe der apokalyptischen Engel beschrieben. (Offb 4-22)

Engel im Christlichen Leben
Die Kirche gedenkt  der Engel am 29. September (Fest der Erzengel) und am 2. Oktober (Schutzengelfest).
Das Heilig-Lied bei der Hl. Messe singen wir zusammen mit den himmlischen Chören.
Im Gloria-Lied wiederholen wir den Lobpreis der Weihnachtsengel.
Im großen Glaubensbekenntnis bekennen wir unseren Glauben an die sichtbare und unsichtbare Schöpfung Gottes.
Wenn uns die Mittagsglocken zum Angelus-Gebet laden, erinnern wir uns die Erlösungstat Gottes.
Im  Te Deum loben wir Gott zusammen mit den Engeln, mit den Chrerubim und Sehraphim.
 Beim Begräbnis wünschen wir dem Verstorbenen „Zum Paradies mögen Engel dich geleiten….“.

Die Namen der Erzengel
Erfahren wir durch sie etwas vom Wesen Gottes?
Michael (Wer ist wie Gott?) erinnert an Gottes Macht und Stärke.
Gabriel (Kraft Gottes)erinnert an Gott, dem  nichts unmöglich ist und der er sich den Menschen offenbart. (Lk 1,37). 
Rafael (Gott heilt) erinnert an die barmherzige, heilsame und schützende Liebe Gottes.

Schutzengel
„Da hab ich aber einen Schutzengel gehabt“, stellen wir erleichtert fest, wenn alles gut gegangen ist.
Vergessen wir nicht - auch Menschen können zu Engeln, zu Schutzengeln werden.
Schutzengel sind immer gefragt und gebraucht. Nein, nicht die aus Keramik, Glas etc., sondern solche, die uns die schützende und heilende Nähe Gottes spüren lassen. Solche wünsche ich uns allen.

«Seinen Engeln hat er deinetwegen befohlen, dich zu behüten auf allen deinen Wegen.». Ps 91,11
© Elfriede Monihart